Wie bildet man knapp 1000 Veranstaltungen, 70 Produktionen pro Spielzeit, unterschiedliche Zielgruppen und ein komplettes Mehrspartenhaus auf einer Website ab, ohne Besucher zu überfordern? Oper. Ballett. Schauspiel. Philharmoniker. Kinder- und Jugendtheater. Akademie für Theater und Digitalität. Wie schafft man dafür eine gemeinsame, digitale Heimat? Viele denken bei einer Theater-Website zunächst an einen Spielplan und einen Ticketshop. Beim Theater Dortmund sah die Ausgangslage deutlich anders aus.
Ein Beispiel aus unserer Praxis
Für das Theater Dortmund durften wir die digitale Plattform konzipieren und weiterentwickeln. Dabei ging es nicht nur um Design oder Technik. Es ging darum, eine digitale Architektur zu schaffen, die unterschiedlichste Nutzergruppen gleichzeitig unterstützt. Denn die Website muss täglich sehr unterschiedliche Bedürfnisse bedienen:
- Besucherinnen und Besucher auf der Suche nach Tickets
- Familien auf der Suche nach Kinder- und Jugendangeboten
- Abonnentinnen und Abonnenten
- Pressevertreter
- Künstlerinnen und Künstler
- Ensembles
- Mitarbeitende
- Kulturinteressierte aus Dortmund und darüber hinaus
- Forschende und Kreative der Akademie für Theater und Digitalität
Die eigentliche Herausforderung
Besonders sichtbar wird die Komplexität im Veranstaltungskalender. Dort laufen sämtliche Produktionen und Veranstaltungen des Hauses zusammen. Über 100 Termine über verschiedene Sparten, Spielstätten und Formate hinweg werden regelmäßig ausgespielt. Nutzer können gezielt nach Sparte, Zeitraum oder Veranstaltung filtern.
Gleichzeitig musste die Plattform zahlreiche weitere Anforderungen abbilden:
- Spielpläne
- Ticketing-Warenkorb
- Ensemble-Datenbanken
- Produktionsseiten
- Mediathek-Inhalte
- Suchfunktion
- Pressebereiche
- redaktionelle Workflows
- unterschiedliche Spielstätten und Veranstaltungsorte
- langfristig wachsende Inhalte
Was wir dabei gelernt haben
1. Besucher denken nicht in Organisationsstrukturen
Für das Publikum spielt es keine Rolle, welche Abteilung für einen Inhalt verantwortlich ist.
Besucher möchten schnell Antworten auf einfache Fragen:
- Was wird heute gespielt?
- Welche Veranstaltungen passen zu mir?
- Wo bekomme ich Tickets?
- Wann findet die nächste Vorstellung statt?
Die Plattform muss deshalb konsequent aus Nutzersicht gedacht werden.
2. Der Kalender ist nicht nur ein Kalender
Bei vielen Kulturplattformen ist der Veranstaltungskalender das eigentliche Herzstück der Nutzerreise. Er verbindet Information, Inspiration und Conversion. Die Qualität dieser Nutzerführung entscheidet unmittelbar darüber, ob aus Interesse ein Ticketkauf wird.
3. Unterschiedliche Zielgruppen benötigen unterschiedliche Einstiege
Ein Opern-Abonnent bewegt sich völlig anders durch die Website als Eltern, die nach einem Kinderstück suchen. Oder Forschende, die sich für die Arbeit der Akademie für Theater und Digitalität interessieren. Digitale Plattformen müssen deshalb mehrere Nutzerreisen gleichzeitig unterstützen.
4. Komplexität darf nur intern sichtbar sein
Hinter der Plattform stehen zahlreiche Redakteure, Inhalte, Produktionen und Prozesse. Für Besucher muss sich das trotzdem einfach anfühlen. Genau darin liegt die eigentliche Herausforderung moderner Plattformarchitekturen.
Das Ergebnis
- eine zentrale Plattform für sechs eigenständige Sparten
- intelligente Veranstaltungs- und Kalenderlogik
- durchgängige Nutzerführung bis zum Ticketkauf
- skalierbare Inhalts- und Redaktionsstrukturen
- Integration unterschiedlichster Inhalte und Zielgruppen
- eine digitale Bühne, die der Vielfalt des Hauses gerecht wird
- ausgezeichnet mit dem Annual Multimedia Award in Silber für digitale Exzellenz
Was besonders gut gelöst wurde
Zentraler Kalender als Herzstück
Fast jede Nutzergruppe landet früher oder später im Kalender.
Der Kalender bietet:
- Datum
- Uhrzeit
- Spielstätte
- Sparte
- Altersangaben
- Ticketstatus
- Barrierefreiheitsinformationen
Dadurch wird die gesamte Website auf eine gemeinsame Nutzerhandlung ausgerichtet:
Veranstaltung finden → Ticket kaufen. Das reduziert Komplexität erheblich.
Zielgruppen statt Organisationsstruktur
Das Theater Dortmund denkt in Nutzergruppen:
- Kinder und Jugendliche
- Familien
- Schulen
- Besuchergruppen
- Sponsoren
- Barrierefreier Besuch
- BestandsbesucherInnen
- AbonnentInnen
- Nicht BesucherInnen
Dadurch findet der Nutzer schneller seinen Einstieg
Wie viele Organisationen schaffen es, sechs eigenständige Marken, über hundert Veranstaltungen pro Monat und völlig unterschiedliche Nutzergruppen auf einer gemeinsamen Plattform abzubilden? Das Theater Dortmund zeigt: Es ist möglich. Jede Sparte besitzt ihre eigene Identität, ihre eigenen Produktionen, ihre eigenen Zielgruppen. Und ihre eigenen Anforderungen an Kommunikation und Nutzerführung.
